Die Anreise zum diesjährigen Town&Country-Stiftungspreis gestaltete sich spannend: Der Zug blieb in Wittenberge stehen, weil Kupferleitungen gestohlen wurden. Das gesamte Netzwerk um die Region Leipzig war infolge dessen stillgelegt! Bei strömendem Regen rannten wir in Wittenberge also zu einer Autovermietung, um dann mit einem 45 PS starken Gefährt verspätet in Erfurt anzukommen. Mein Beitrag als Vertreter des Bundeslandes Berlin wurde dankenswerter Weise nach hinten verschoben, sodass ich an Lambda wie geplant bei der Scheck-Übergabe in Höhe von 5.000 EUR dabei sein konnte.

Town&Country-Stiftungspreis für queeren Verein

Ich freue mich besonders, dass es uns im 5. Jahr möglich war, ein Projekt aus dem Lesbisch-, Schwulen-, Bi-, Trans-, Intersexuellen-, Queeren-Bereich auszeichnen zu können. Denn leider ist der Town&Country Stiftungspreis bei Queeren Vereinen noch nicht so bekannt.

Gerade in unruhigen Zeiten, in denen eher ausgegrenzt als geeint wird, in Zeiten mit der AFD, habe ich in meiner Rede auch einen Gedanken mehr als üblich geäußert: Denn früher wurde Homosexualität als Krankheit bezeichnet. Heute füllt es einen eigenen Identitätsbegriff. Die Frage ist, wie ist aus einer Krankheit eine Identität wurde? Ich selbst habe als Jungendlicher Homosexualität nie als Identität verstanden. Ich fühlte mich den Konzepten, den Schubladen rund um das Schwulsein nicht angehörig. Einer Gemeinschaft angehören? Angehöriger sein. Wer gehört hier wem? Ich der Gemeinschaft oder gehört mir die Gemeinschaft. Ist man immer gleich angehörig? Oder bin ich in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich angehörig?¹

So oder so habe ich als Jugendlicher begriffen, dass ich mir mit schwulsein nicht das „coolste Zeug ausgesucht“ habe. Natürlich ist schwulsein nichts was man sich aussucht, aber hätte ich die Wahl, würde ich es mir so aussuchen. Nicht weil es besser ist, oder nicht weil ich auf einen besonders steinigen Weg stehe, sondern weil es mich glücklich gemacht hat, und das auch als Angehörige der Community, aber vor allem als Mann meines Ehemannes.²

Unterstützung für Jugendliche

Deswegen sind Vereine für queere Jugendliche so wertvoll, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu, das viele von den Jugendlichen glückliche Menschen werden. Gerade wenn sie dem Druck kaum Stand halten können, sie klein gemacht und abgestempelt werden, dann sind es Vereine wie Lambda, die Jugendliche aufrichten und sie stark machen.

Von der Krankheit zur Identität, das verdanken wir einer unglaublichen Entwicklung im Verständnis der Menschenrechte. Zu erst Frauenrechte, dann die Bürgerrechtsbewegung und letztlich Rechte für Minderheiten.³ Insofern bin ich dankbar für jede starke Frau die ihre Frau steht, für jeden der gegen Ungerechtigkeiten kämpft. Kurz, für jeden, der unser Welt bunter macht. Vielfalt war nie eine Bedrohung, Vielfalt war in der Evolution immer die Lösung!

Das hat in großen Teilen auch meine Tischnachbarin am Veranstaltungsabend so gesehen. Sie hat als Mitglied des Bundestages in der CDU für die Homo-Ehe gestimmt, was u.a. mit vielen Dankesbriefen aus der Thüringer Community quittiert wurde.


¹ Das Motiv „Angehörig sein“ hat Carolin Emcke in ihrere Dankesrede anläßlich des Friedenspreis des Deutschen Buchhandel am 23.10.2016 ausführlich thematisiert. Ein Teil ihrer Formulierungen habe ich übernommen.

² „(…) hätte ich die Wahl, würde ich es mir so aussuchen. Nicht weil es besser ist (…) sondern weil es mich glücklich gemacht hat“ diese Formulierung stammt von Carolin Emcke in ihrere Dankesrede anläßlich des Friedenspreis des Deutschen Buchhandel am 23.10.2016.

³ Von der „Krankheit zur Identidät“ und die Ausführungen zu den Menschenrechten stammen aus dem Buch „Weit vom Stamm: Wenn Kinder ganz anders als ihre Eltern sind“, Andrew Solomon, S. FISCHER Auflage: 2 (8. Oktober 2013), siehe Kapitel I. Sohn.

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